Unter dem Titel "BIM, TGA und Gebäudeautomation" haben unsere buildingSMART-Regionalgruppen Nordrhein-Westfalen am 28. Mai 2026 zum Mitgliedsunternehmen Viega nach Attendorn eingeladen. Die Veranstaltung fand im hochmodernen, interaktiven Schulungszentrum Viega World statt, das der Hersteller von Installationstechnik für Heizung und Sanitär zugleich als Demonstrator für die Digitalisierung der Gebäudetechnik der Zukunft konzipiert hat. Das im Januar 2023 eröffnete Gebäude war Anlass und Gegenstand des Treffens, an dem rund 30 Personen teilnahmen. Die Veranstaltung wurde in Kooperation mit dem BIM-Cluster NRW e. V. organisiert, dessen Gründungsmitglied buildingSMART Deutschland mit seinen drei Regionalgruppen in NRW ist.
Eröffnet wurde die Veranstaltung von Ulrich Zeppenfeldt, Leiter des Kompetenzfelds Digitales Bauen bei Viega, buildingSMART-Geschäftsführer Gunther Wölfle und Matthias Pfeifer, Vorsitzender des BIM-Cluster NRW e. V. Gunther Wölfle betonte die Bedeutung der Gebäudeautomation für eine effiziente Gebäudetechnik, die wiederum Voraussetzung für einen möglichst klimaneutralen und ressourcenschonenden Gebäudebetrieb sei. Deshalb lohne es sich, den Prozess der Gebäude- und TGA-Planung einmal konsequent von der Gebäudeautomation und den Anforderungen des Gebäudebetriebs her zu denken. Dafür stehe die Viega World als Veranstaltungsort in besonderer Weise.
Bedarfsplanung als Fundament
Den ersten Fachvortrag bestritt Ulrich Zeppenfeldt gemeinsam mit Klaus Ege vom Büro FACT GmbH, das mit der TGA-Planung für die Viega World betraut war. Die beiden zeigten am Beispiel der Viega World, wie entscheidend in der Leistungsphase 0 eine fundierte Bedarfsplanung ist und welch große Verantwortung dem Bauherrn bei der Organisation der Bedarfsplanung sowie bei den inhaltlichen Vorgaben und Zieldefinitionen zukommt. Auf Grundlage von Raumprogramm und Raumbuch – dem "ersten BIM-Modell" – wird die TGA mit ihren Trassen zum zentralen Strukturgeber für das Gebäude. Deutlich wurde dabei, dass das As-Built-Gebäudemodell allein noch keinen digitalen Zwilling ausmacht. Angesichts der enormen Zahl allein der in der TGA verbauten Objekte – mit noch deutlich mehr Attributen – braucht es eine standardisierte Anlagenkennzeichnungssystematik (AKS), um die technischen Systeme und Anlagen eindeutig und strukturiert dokumentieren zu können.
Technik erlebbar gemacht
Bei der anschließenden Führung durch die Viega World erlebten die Teilnehmenden unmittelbar am Gebäude und in eigens eingerichteten Ausstellungsbereichen sichtoffene TGA-Systeme, Echtzeit-Monitoring, intelligente Sensorik sowie vernetzte Steuerungs- und Energiemanagementsysteme. Offengelegte Installationen, digitale Gebäudemodelle und Betriebsdaten machten die Zusammenhänge zwischen Planung, Ausführung und Betrieb transparent. So wurde erlebbar, wie moderne Gebäudetechnik Effizienz, Nachhaltigkeit und Betreiberqualität steigert.
Automation früh mitdenken
Im zweiten Vortrag zeigte Pierre Hayna von Bähr Ingenieure, wie sich die Gebäudeautomation bereits in frühen Planungsphasen systematisch mit der TGA verknüpfen lässt. Grundlage ist ein Raummodell, das Gebäude-, Geschoss-, Raum- und Komponenteninformationen zusammenführt. Ziel ist die eindeutige räumliche Zuordnung technischer Anlagen für Planung, Betrieb und Wartung. An Praxisbeispielen wurde deutlich, wie sich Störungen auf dieser Basis schneller analysieren lassen. Zugleich machte Pierre Hayna bestehende Medienbrüche sichtbar und betonte die Notwendigkeit einer weitergehenden Automatisierung.
Ohne BIM bleibt Automation ineffizient
Im dritten Vortrag diskutierten Sebastian Wieczorek und Dominik Huhn von ZWP Ingenieur-AG, wie BIM und Gebäudeautomation enger verzahnt werden können. Sie stellten fest, dass zwischen Planung und Betrieb weiterhin deutliche Brüche bestehen und eine durchgängige Lebenszyklusintegration häufig fehlt. Als zentrale Hürden benannten sie fehlende Datenstrategien sowie eine begrenzte BIM-Reife in ausführenden Unternehmen. Dem gegenüber stehen steigende Anforderungen im Betrieb: hohe Verfügbarkeit, effiziente Anlagen, ein strukturiertes Informationsmanagement, Monitoring und nachvollziehbare Datenflüsse. Die Diskussion gehe daher längst über die reine Modellierung hinaus. Entscheidend sei, welche Daten wann benötigt und wie sie konsistent strukturiert würden. Ihr Fazit: "Gebäudeautomation ohne BIM bleibt ineffizient.
Fazit: Prozesse statt Einzellösungen
Der letzte Vortrag ging nahtlos in die Diskussion mit dem Publikum über. Die Veranstaltung machte deutlich, dass BIM, TGA und Gebäudeautomation nicht isoliert betrachtet werden können, wenn digitale Prozesse im Gebäudesektor tatsächlich Wirkung entfalten sollen. Im Mittelpunkt stehen dabei weniger einzelne Softwarelösungen als vielmehr durchgängig abgestimmte Prozesse, klare Datenstrategien und eine konsistente Zusammenarbeit aller Beteiligten. Entscheidend ist insbesondere die frühzeitige Einbindung des späteren Gebäudebetriebs bereits in der Planungsphase, um Informationsbrüche zu vermeiden und die Nutzbarkeit der Daten über den gesamten Lebenszyklus sicherzustellen.
Wir danken Viega für die Gastfreundschaft sowie allen an der Organisation Beteiligten für dieses tolle Event, das eindrucksvoll die Verbindung von Theorie und Praxis bei BIM erlebbar gemacht hat.
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