Die Lichtplanung ist einer der Vorreiter, wenn es um den Einsatz digitaler Tools und Methoden geht. Heute steht die Branche vor der Herausforderung, die verschiedenen Formate zu vereinheitlichen und die Möglichkeiten von BIM optimal zu nutzen. Robert Heinze, Autor des in der Reihe BIM Professional von buildingSMART Deutschland erschienen Fachbuchs „BIM und Beleuchtung“, erklärt im Interview, wie sich die Arbeit der Planer verändert, welche Chancen sich durch BIM ergeben und warum die Kommunikation zwischen den Gewerken wichtiger denn je wird.
Herr Heinze, welche Bedeutung hat Licht für Bauwerke?
Licht hat eine elementare Funktion für Bauwerke, die oft als selbstverständlich wahrgenommen wird. Doch ohne Licht können wir Gebäude nicht sehen, mit Licht können wir sie aber massiv beeinflussen – sowohl von innen als auch von außen. Man kann lenken, wie ein Gebäude sichtbar sein soll und welche Teile besonders betont werden sollen.
Zudem hat Licht gerade im Innenraum einen enormen Einfluss auf unser Wohlbefinden, da wir unsere Umgebung hauptsächlich visuell wahrnehmen. Es beeinflusst sogar unsere Hormone und andere physiologische Prozesse.
Wichtig ist dabei, dass neben Kunstlicht auch das Tageslicht eine zentrale Rolle für die Wahrnehmung eines Bauwerks spielt. Probleme werden meist erst dann bemerkt, wenn die Beleuchtung nicht optimal ist – wenn es zu dunkel oder kontrastreich ist oder die Lichtplanung vernachlässigt wurde.
Ist Planern dieser Aspekt bewusst?
Das ist sehr unterschiedlich. Lichtplaner und Elektroplaner haben naturgemäß ein hohes Bewusstsein dafür. Bei Architekten gibt es große Unterschiede: Einige vernachlässigen das Thema oder schieben es als reine Fachplanung beiseite, andere erkennen Licht als wichtiges Gestaltungsmedium und integrieren es von Anfang an in ihre Planung.
Es gibt grundsätzlich zwei Herangehensweisen: Die gestalterische Perspektive, die vor allem von Architekten verfolgt wird, bei der Licht als Mittel zur Raumgestaltung und emotionalen Wirkung eingesetzt wird. Und die technische Perspektive als Teil der Elektroplanung, wo es um die Einhaltung von Normen und technischen Anforderungen geht.
Ein Lichtplaner muss beide Aspekte vereinen – sowohl die gestalterischen als auch die technisch-normativen Anforderungen berücksichtigen.
Welche Rolle spielen digitale Methoden bislang?
Licht war einer der ersten Bereiche, der umfassend digitalisiert wurde. Das liegt daran, dass Licht sich räumlich ausbreitet und dreidimensional gedacht werden muss. Ende der 1990er-Jahre entstanden die ersten komplexen Autorensysteme für Lichtplanung mit 3D-CAD-Umgebungen. Die Lichtindustrie entwickelte früh digitale Austauschformate, zunächst auf ASCII-Ebene, um Leuchten und Lichtausbreitung zu beschreiben.
Inzwischen gibt es eher zu viele als zu wenige Formate. Die Herausforderung liegt heute darin, diese zu vereinheitlichen und quellenoffene Formate zu entwickeln, die verschiedene Aspekte bündeln. Die Lichtbranche kann aber prinzipiell als Best Practice für andere Bereiche dienen.
Welche zusätzlichen Vorteile ergeben sich durch BIM?
BIM bietet für die Lichtplanung mehrere wichtige Vorteile. Zum einen müssen Fachplaner nicht mehr das Bauwerksmodell nachmodellieren, was bisher üblich war. Die Lichtplanungsprogramme haben sich früh mit der BIM-Welt verbunden und ermöglichen es, BIM-Modelle direkt zu übernehmen und mit Lichtinformationen anzureichern.
Auch die Kommunikation der Ergebnisse wird durch strukturierte BIM-Modelle deutlich vereinfacht. Statt Zeichnungen und PDFs können Informationen direkt digital an andere Gewerke weitergegeben werden. Und auch die Datenqualität wurde verbessert, etwa durch die Integration von elektrischen Anschlusspunkten und Befestigungspunkten im Modell.
Gibt es spezifische Anforderungen an die Abbildung von Leuchten im IFC-Modell?
Leuchten sind im IFC-Format bereits gut abgebildet. Es gibt 48 native Merkmale für Leuchten, was für ein TGA-Objekt relativ viel ist. Sogar Lichtverteilungskurven können in IFC abgebildet werden, auch wenn diese Möglichkeit bisher wenig genutzt wird. Die Herausforderung liegt weniger in der Datenverfügbarkeit als in der Interpretation und Nutzung dieser Daten durch die Programme.
Spielen in diesem Bereich auch Geoinformationssysteme eine Rolle?
Ja, GIS und BIM wachsen zusammen. Die GIS-Experten waren in der Digitalisierung ihrer Datenformate sogar schneller. Die Verbindung beider Welten ist wichtig, da jedes Bauwerk einen konkreten Standort hat. Dies hat auch Auswirkungen auf die Lichtplanung, etwa bei der Berücksichtigung von Tageslicht und Verschattung durch die Umgebung.
Die Koordinatensysteme von GIS und BIM zusammenzubringen ist allerdings mathematisch anspruchsvoll, aber wichtig für die Praxis. Die Umgebung eines Gebäudes hat erheblichen Einfluss auf Tageslicht und Beleuchtung und kann Anpassungen am Bauwerk erforderlich machen.
Wie ändern sich die Arbeitsweisen für Lichtplaner durch digitale Methoden?
Das grundlegende Handwerk bleibt ähnlich, wird aber digitaler, schneller und besser. Die größte Veränderung liegt im Umgang mit BIM-Autorensystemen. Hier müssen Fachplaner aufpassen, nicht über ihre Kompetenzen hinauszugehen, etwa bei baulichen Änderungen. Gleichzeitig ermöglicht BIM ein besseres Verständnis für andere Gewerke und deren Anforderungen.
Verändert haben sich zudem die Prozesse: Während Fachplaner früher erst in späteren Planungsphasen einbezogen wurden, macht es heute Sinn, bereits in der Phase 0 dabei zu sein. Auch die Formalisierung durch Auftraggeber-Informations-Anforderungen, die sogenannten AIA, hilft dabei, Anforderungen früh zu klären und zu dokumentieren.
Zu Ihrem Buch: Was war Ihre Motivation, dieses Fachbuch zu schreiben?
Es fehlte bisher eine umfassende Publikation, die die Brücke zwischen Licht und BIM schlägt. Das Buch soll BIM-Experten helfen, das Gewerk Licht besser zu verstehen, und Lichtexperten einen Einstieg in die BIM-Methodik bieten. Es ist praxisorientiert geschrieben und versucht, Hemmschwellen abzubauen. Ziel ist es, mehr Lichtexperten für BIM zu interessieren und BIM-Experten ein besseres Verständnis für die Bedeutung von Licht zu vermitteln.
Herr Heinze, vielen herzlichen Dank für das Gespräch!
Zur Person:
Robert Heinze ist CTO bei der Relux Informatik AG. Zudem ist er unter anderem Experte in vielen nationalen und internationalen Licht- und BIM-Normungsgruppen, er leitet den Arbeitsausschuss „BIM“ bei ZVEI Fachverband Licht, ist Vorsitzender des DIN Ausschuss Sportstättenbeleuchtung und ist Liaison Officer zwischen BIM und Beleuchtung auf CEN- und ISO-Ebene. Neben vielen weiteren Funktionen und Mitgliedschaften ist Robert Heinze außerdem Mitglied des buildingSMART International Steering Committee Product Domain.